Polestar 2 — E-Mobilität noch attraktiver?

Polestar 2 - E-Mobilität noch attraktiver? Статьи

Mit dem Polestar 2 hat die Volvo-Submarke im vergangenen Jahr ein in allen Belangen attraktives Elektroauto vorgestellt. Jetzt zieht das schwedisch-chinesische Unternehmen zwei weitere Varianten nach, die statt mit zwei Antriebsmotoren nur mit einem unterwegs sind. Geht das Konzept noch auf?

Vor ziemlich genau einem Jahr hat sich der Autor weit aus dem Fenster gelehnt, als er dem Polestar 2 attestierte, das vielleicht «stimmigste Elektroauto der Welt» zu sein. Was damals an dem unter dem Volvo-Geely-Dach erschaffenen Sportcoupé so begeisterte, war seine Konsequenz in allen Belangen. Nicht nur, dass unter Polestar-Chef Thomas Ingenlath, der einigen noch als Chefdesigner von Volvo ein Begriff sein dürfte, ein bildschönes und extrem sportliches Fahrzeug gezeichnet wurde. Dieser optische Ansatz stimmte auch mit den dazugehörigen Parametern überein. Zwei E-Motoren leisten 408 PS und reichen ein maximales Drehmoment von 660 Newtonmetern an alle vier Räder weiter. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 205 km/h und der 78 kWh leistende 400 V Lithium-Ionen-Akku bringt die Fuhre bis zu 470 Kilometer weit.

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Der Polestar 2 ist bereits ab 41.390 Euro zu haben.

(Foto: Holger Preiss)

Selbst der Preis ist verglichen mit denen anderer Elektroautos — und hier bleibt zu bedenken, dass der Polestar 2 im Premium-Segment angesiedelt ist — angemessen. Abzüglich der Mehrwertsteuersenkung und der angekündigten Innovationsprämie, die auf dem Konjunkturpaket der Bundesregierung beruht, bleiben noch 48.400 Euro für einen Polestar ohne Sonderlackierung, Performance-Paket und Anhängerkupplung. Das ist für viele aber immer noch eine Stange Geld und insofern ist die Entscheidung der Marke zu begrüßen, das Portfolio des Polestar 2 zu erweitern. Wie bereits angekündigt, wurden dem Elektrosportler mit Doppelherz jetzt zwei Brüder mit Single Motor an die Seite gestellt. Zum einen gibt es die Standardausführung mit einer Batterieleistung von 64 kWh und einer Reichweite zwischen 415 und 444 Kilometern und die Long-Range-Ausführung mit 78 kWh und 510 bis 542 Kilometern, die mit einer Akkuladung zurückgelegt werden können.

Weniger Speed, weniger Spaß?

Neben der Reichweite unterscheidet die beiden Varianten auch die Leistung. Während es bei dem Single Motor 224 PS sind, dürfen bei dem Langläufer 231 Pferde elektrisiert über die Koppel galoppieren. Und dieses Bild ist gar nicht so abwegig, denn auf Landstraßentempo wird hier in beiden Fällen in 7,4 Sekunden beschleunigt und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Hier muss Polestar dann tatsächlich zugunsten der Reichweite einen Einschnitt machen. Denn tatsächlich wird die Batterieleistung selbst bei dieser Höchstgeschwindigkeit nachhaltig reduziert. Wer also mit schwerem Fuß über eine längere Strecke auf besagtem Level fährt, wird mit der oben genannten Reichweite nicht hinkommen. Dafür war es aber im ersten Test erstaunlich, wie konstant Energiefluss bei Geschwindigkeiten zwischen 120 und 140 km/h vonstattenging. Bei derartiger Fahrweise dürften die Reichweitenangaben mit Leichtigkeit Realität werden.

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Bei der Perfomance stehen die Modelle mit Single Motor nicht hinten an.

(Foto: Holger Preiss)

Nun verlockt so ein Polestar 2 nicht nur ob seines Äußeren dazu, etwas dynamischer zur Sache zu gehen. Klar, der Kick des Sportlers mit Dual-Motor, der in 4,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt, mag ausbleiben, aber auch mit den Single-Motor-Varianten geht es gut nach vorn. Dank des straffen, aber nie zu harten Fahrwerks lassen sich auch diese beiden Modelle flott ums Eck schieben. Sie neigen dabei kaum zum Untersteuern, was sicher auch dem Performance-Paket geschuldet ist, in dem die Öhlins-Stoßdämpfer mit Doppelflussventil und einer 22-fach verstellbaren Federkennlinie enthalten sind. Die Lenkung ist eng, ohne dabei zu spitz zu sein und wenn es doch mal hart auf hart kommt, dann beißen die ebenfalls im Performance-Paket enthaltenen Brembo-4-Kolben-Festsattel-Bremsen kräftig zu.

Laden mit bis zu 150 kW

Kurz, an Fahrspaß gibt es auch im Polestar 2 mit Einzelmotor keinen Mangel. Zumal wie schon erwähnt die Reichweite mit der großen Batterie noch einmal über die des Doppel-Motor-Modells hinausgeht. Das Laden der Batterie ist hingegen wieder identisch. Während der Fahrt wird kräftig rekuperiert, wobei es sich hier bezahlt macht, im One-Pedal-Modus zu fahren, also kaum selbst zu bremsen, um die maximale Bremsenergie in den Akku zurückzuführen. Natürlich reicht das nicht für eine komplette Befüllung der Batterie. Dazu muss der Polestar 2 dann schon an die Leine gelegt werden. Das geht entweder an der Haushaltssteckdose über Nacht, mit dem bordeigenen Ladegerät (1- oder 3-phasig) mit bis zu 11 kW am Wechselstrom (AC), was etwas schneller geht, oder an einem DC-Ladegerät, das den Gleichstromwandler gleich in sich trägt. Mit bis zu 150 kW braucht es 40 Minuten, bis die Leistungsfähigkeit der Batterie wieder bei 80 Prozent liegt.

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Der Polestar 2 glänzt durch hochwertige Materialien und eine sehr gute Verarbeitung.

(Foto: Holger Preiss)

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass auf der Reise bei der Suche nach Ladestationen Google die Führung übernimmt. Tatsächlich verzichten die Schweden im 2er auf ein eigenes Navigationssystem. Hier hat man sich gleich mit dem Kommunikationsriesen ins Einvernehmen gesetzt und ein Android-basiertes Betriebssystem auf das 28 Zentimeter große Zentraldisplay gebracht. Das heißt, die Navigation läuft automatisch über Google Maps. Zudem kann sich jeder, der ein eigenes Google-Konto hat, in dem autoeigenen System anmelden und eine Ansicht zusammenstellen, die der auf seinem Smartphone oder Tablet gleicht. Hinzu kommt, dass Polestar über die Over-the-Air-Updates regelmäßig Software-Aktualisierungen per Fernzugriff aufspielt. Was bei den ersten Modellen bereits zum besseren Energiemanagement beigetragen hat und dazu führte, dass — so die Aussage von Polestar — die Reichweiten gesteigert werden konnten.

Preis variiert mit den Ansprüchen

Apropos: Die Ladekabel lassen sich ganz einfach in dem 35 Liter fassenden Stauraum unter der Motorhaube unterbringen. Was wiederum zur Folge hat, dass der Kofferraum mit seinen 405 Litern vollumfänglich dem Gepäck zur Verfügung steht. Bei umgeklappter Rückbank sind es sogar 1095 Liter. Ein Wort noch zur Rückbank: Die soll für drei Passagiere passen, aber auf dem Mittelplatz will auch im Schweden-Stromer keiner sitzen. Denn es gibt hier wie in einem Verbrenner eine Art Kardantunnel. Nur dass der Pseudo-Antriebsstrang nicht als solcher dient, sondern dem Akkumulator als Aufbewahrungsfläche. Insofern sollte man ehrlicherweise sagen, dass der Polestar 2 ein 2+2-Sitzer ist. Die beiden Reisenden im Fond finden sich dann auch wie in einer Coupé-Limousine typisch tief und sportlich verstaut.

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Vier Personen fühlen sich im Polestar 2 auch über die Langstrecke wohl.

(Foto: Holger Preiss)

Sportlich eingebettet sind natürlich auch Fahrer und Beifahrer des Polestar 2. Je nach Wahl zum Beispiel auf sehr schönen und qualitativ hochwertigen herkömmlichen Sitzbezügen oder auf einem veganen Wave-Tech-Material. Optional gibt es natürlich auch klassisch gelochtes Nappaleder für die belüfteten Vordersitze und dazu Dekorleisten aus aufgearbeitetem Holz. Wer sich allerdings für diese Extrabeigaben entscheidet, wird von dem eigentlich attraktiven Preis von 44.930 Euro für die Longe Range Single-Motor-Variante abweichen. Der Testwagen mit zusätzlich zu berappenden 20-Zoll-Rädern, Panoramadach, Wärmepumpe zur Ergänzung der Klimaanlage und beheizbaren Rücksitzen, Pixel-LED-Scheinwerfern, Parkassistent und 360-Grad-Kamera bringt es auf 51.430 Euro.

Ob man diesen dann doch wieder stolzen Preis bezahlen will, hängt natürlich ganz vom persönlichen Budget und den Ansprüchen jedes Einzelnen ab. Nötig sind die Beigaben eigentlich nicht, denn der Polestar ist in der Grundausstattung nicht nur ausgesprochen gut verarbeitet und mit hervorragenden Materialien versehen, er ist auch schon reichhaltig ausgestattet. Und so gibt man sich auch bei den Fahrassistenzsystemen keine Blöße. So sind der adaptive Spurhalteassistent, Kollisionswarner, Verkehrszeichenerkennung, Geschwindigkeitsbegrenzer und ein Parkassistent bereits an Bord. Auch die 19-Zoll-Räder gibt es in Serie und elektrisch verstellbare und beheizbare Vordersitze. Mehr braucht es eigentlich nicht.

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