Kia Sorento PHEV - das große Versprechen

Kia Sorento PHEV – das große Versprechen

Der Kia Sorento ist ein gelungenes SUV, vor allem für Freunde US-amerikanischer Üppigkeit. Aber statt mit einem fetten V8 befeuert zu werden, treibt den ntv.de-Testwagen eine Kombination aus E- und Benzin-Motor an. Ein Plug-in-Hybrid also, der viel verspricht, aber nicht alles halten kann.

Wenn Hersteller momentan über ihre Autos jubeln, dann vor allem über die Plug-in-Hybride. Versprechen sie doch inzwischen elektrische Reichweiten, die einem locker die täglichen Wege ermöglichen und wenn es auf die Langdistanz geht, dann ist definitiv der Verbrenner da, der die Fuhre auch alleine anschieben kann. So oder ähnlich klingen auch die Argumente von Kia für den Sorento als Plug-in-Hybrid. Versprochen werden hier im Detail 265 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern. Hört sich gut an für ein 4,81 Meter langes SUV, das vor allem Freunde US-amerikanischer Üppigkeit in den Bann schlagen kann. Auch das Gesamtgewicht von 2,1 Tonnen sollte sich so locker anschieben lassen.

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Im Zusammenspiel beider Motoren wirkt der Kia Sorento Plug-in-Hybrid wirklich sportlich.

(Foto: Holger Preiss)

Machen sie auch. Kurzweilige 8,7 Sekunden dauert der Sprint im Sportmodus auf Tempo 100 und in der Spitze fuhr der Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid AWD – so die korrekte Bezeichnung – sogar 200 km/h, obgleich er nur mit 193 angegeben ist. Toll. Aber wir wissen unterdessen, dass die oben genannten Leistungsangaben die Nennleistung ist, die sich aus dem Zusammenspiel des 1,4-Liter-Vierzylinder Benziners mit 180 PS und dem permanenterregten Synchronmotor mit weiteren 91 PS errechnet. Ebenso das maximale Drehmoment. Ist der Akku nämlich leer, und bei Kia geht es wirklich bis zum bittere Ende, dann muss der Verbrenner die Arbeit übernehmen und in den Minuten der optimalen Drehzahlen auch noch Energie in den Akku zurückführen. Das macht er natürlich nicht alleine, sondern wird dabei von der Rekuperation beim Rollen und Bremsen unterstützt.

Zeit ist Geld

Am Ende reicht das aber immer nur, um den Akku maximal zu einem Viertel zu befüllen. Geht der ambitionierte Pilot dann auf der freien Autobahn richtig ans Gas, sind die Reserven rasant aufgebraucht und das Spiel beginnt von Neuem. Für den Spritverbrauch heißt das, dass hier über die Langstrecke gut 9 Liter verbrannt werden. Natürlich empfiehlt das Navigationssystem bei kritischem Batteriestand entsprechende Ladepunkte auf der Strecke. Da der Teilzeitstromer aber nur über einen Typ-2-Anschluss (3,3 kW) verfügte, wären bei oben geschilderten Batteriezustand vier Stunden nötig, um den Akku wieder auf 100 Prozent zu bringen. Auch abseits der Autobahn, also in der Nähe der heimatlichen Mietwohnung, stößt man beim Laden an die zeitlich vorgegebenen Grenzen. Denn bei EnBW-Kunden schlägt genau nach dieser Zeit die Strafgebühr zu Buche. Bei acht Minuten überzogener Zeit sind das immerhin 80 Cent.

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Mit einer Länge von 4,81 Meter hat der Kia Sorento ein stattliches Maß.

(Foto: Holger Preiss)

Doch lassen wir uns von der Säumigkeit des Autors nicht ablenken. Ziehen wir die Strafe ab, ist der 139 Kilogramm schwere Akku mit einer Kapazität von 13,8 kWh für 3,27 Euro gefüllt. Für das Geld soll der Sorento Plug-in-Hybrid dann auch rein elektrisch 140 km/h schnell werden und 68 Kilometer weit fahren. Die Geschwindigkeit kann nach dem Test bestätigt werden, die Reichweite nicht. Mit viel Mühe und leichtem Fuß waren im Test 52 Kilometer zu erreichen. Wer forscher unterwegs ist, minimiert dieses Ergebnis dann noch. Auch der sich im Datenblatt so ergebende Drittelmix von 1,6 Litern Benzin scheint eine sehr optimistische Angabe. Wer im Auto-Modus fährt, die Elektronik also bestimmen lässt, wann die Wechsel stattfinden, kann entweder, weil er nur langsam fährt, den Benzinverbrauch unterbieten, weil er den Akku stärker belastet oder eben umgekehrt, weil der Benziner dem E-Motor immer zur Seite springt.

Der kann auch Strecke machen

Auf der Langstrecke ist es natürlich umgekehrt. Hier beschränkt sich die E-Maschine auf die Leistungsbeigabe zum Verbrenner. Was zur Folge hat, dass der Akku-Stand für gut 295 Kilometer reicht. Danach bewegt er sich im letzten Viertel der Anzeige und geht entweder bis auf 1 Prozent runter oder hält sich bei knapp 20 Prozent auf. Darüber wird er sich nicht mehr bewegen. Im Zusammenspiel beider Komponenten reicht eine Tankfüllung mit 47 Litern dann für etwa 500 Kilometer, was vollkommen in Ordnung ist. In Ordnung ist auch das Fahrverhalten des Raumriesen. Natürlich ist ein 1,70 Meter hohes SUV kein Kurvenjäger. Aber der Sorento reagiert angenehm direkt auf Lenkbefehle, obgleich das Ganze einen Tick direkter sein könnte, und er spricht auf Gasbefehle willig an, vor allem wenn der Akku voll ist.

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Das Innenleben des Kias Sorento erfreut mit wertigen Materialien und guter Verarbeitung.

(Foto: Holger Preiss)

Auch das CVT, das die Gänge über sechs Stufen verteilt, arbeitet für diese Getriebeart geradezu geschmeidig. Einzig die Kooperation der Komponenten, also der Wechsel zwischen E- und Benzin-Motor ruckelt manchmal etwas, aber das lässt sich in den wirklich großartigen Sitzmöbeln auf allen Plätzen ohne großes Zucken verkraften. Auf Wunsch lassen sich die Polster vorn sogar beheizen und belüften, im Fond sind sie in Längsrichtung zu verschieben, die Rückenlehne lässt sich im Neigungswinkel verstellen und im Winter lassen sich die äußeren Sitze auch erwärmen. Zudem erfreuen im Sorento die Staufächer und Ablagen bis hin zur induktiven Ladeschale für das Smartphone. Fünf USB-Anschlüsse sorgen zudem für allzeit volle Handy-Akkus und für die Verbindung mit der Multimediaeinheit, wo Apple Carplay oder Google Auto für die richtige Richtung, den guten Ton oder eine entsprechende Verbindung sorgen. Natürlich kann auch einfach nur eine Verbindung über Bluetooth hergestellt werden. Das funktioniert alles ausgezeichnet und im Test absolut fehlerfrei.

Obacht bei der Geschwindigkeit

Nicht ganz so überzeugend war die Verkehrszeichenerkennung. Die hat nämlich die blöde Angewohnheit, bei zeitlich begrenzten Geschwindigkeitsgeboten die jeweils höhere in den sichtbaren Bereich zu packen. Das gilt für das digitale Informationsdisplay des Fahrers ebenso wie für das brillante Head-up-Display in der Frontscheibe oder die Darstellung im Navi auf dem Zentraldisplay oberhalb der Mittelkonsole. Und so kann es schon mal passieren, dass der Pilot sich an die 50 hält, aber das 30er-Schild, das von 7 bis 22 Uhr gilt, übersehen hat. Wenn dann der Blitz einschlägt, war er mal 20 km/h zu schnell. Einzige Möglichkeit, dem aus dem Weg zu gehen, ist, in der Matrix des Fahrerdisplays die Tempoanzeige zu aktivieren. Dann nämlich wird man beide Schilder sogar mit den entsprechenden Zeitangaben sehen.

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Selbst als Plug-in-Hybrid bietet der Kia Sorento eine Unmenge Platz.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn man diesen Trick beherzigt, dann vermeidet man auch auf der Urlaubsreise böse Überraschungen. Denn der Sorento ist selbst als Plug-in-Hybrid mit einem geradezu gigantischen Kofferraum gesegnet. Satte 809 Liter bietet er bei aufrechter Fondlehne. Wird die flach gemacht, sind es sogar 2077 Liter, wobei ein Teil dieses Platzes dem doppelten Ladeboden gehört, in dem auch die Ladekabel verstaut werden. Was sehr praktisch ist, denn damit herrscht Ordnung im Heckabteil.

Der kann auch ins Grobe

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Sitze mit Heizung und Belüftung gibt es auf Wunsch auch im Kia Sorento.

(Foto: Holger Preiss)

Und noch etwas soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden. Der Sorento Plug-in-Hybrid ist als Allrad auch ein echtes SUV, das die eine oder andere Strecke problemlos in unwirtlichen Geläuf zurücklegt. Zum einen haben die Ingenieure das Fahrwerk auch auf diese Belange abgestimmt, zum anderen sorgen die All-Terrain Mode-Funktionen für einen souveränen Gang durch Sand, Matsch und Schnee. Letztgenanntes konnte in diesen Tagen nicht getestet werden, die beiden erstgenannten schon. Der Sand-Modus verhinderte zur Verzückung des Autors, dass der Sorento sich eingrub und im Matsch wurde einfach das Drehmoment so angepasst, dass kein Schwung verloren ging. Die einzige bittere Pille, die man bei einem Plug-in-Hybrid der Größe eines Sorento schlucken muss, ist die Anhängelast. Die beträgt nämlich nur 1,5 Tonnen.

In Summe ist der Kia Sorento ein attraktives Auto. Ob er es als Plug-in-Hybrid im täglichen Einsatz ist, muss jeder mit seinem Nutzungsverhalten und den persönlichen Lademöglichkeiten in Einklang bringen. Preislich ist er es, solange die zur Innovationsprämie umgewidmete Umweltprämie gezahlt wird, sicherlich. In der Basisversion Vision ist er ab 53.940 Euro zu haben. Natürlich hat die Variante nur wenig von den oben geschilderten Beigaben. Wer das alles haben will, der greift zur Platinium-Version, zahlt dann aber auch schon 61.940 Euro. Alternativ wäre die mittlere Ausstattung Spirit für 57.940 Euro. Einzig der Safety Assist für 790 Euro müsste jetzt extra bestellt werden. Der macht es nämlich möglich, dass beim Abbiegen das digitale Rundinstrument durch das Bild des Seitenspiegels in Abbiegerichtung eingeblendet wird. Einen toten Winkel für Radfahrer gibt es hier jedenfalls nicht mehr.

Datenblatt Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid AWD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,81 m/2,17 m/1,70 m
Radstand 2,81 m
Leergewicht (DIN) 2130 kg
Anhängelast 1500 kg
Sitzplätze 5
Emissionsklasse Euro 6d
Motor/Hubraum R4-Turbobenziner mit 1598 ccm Hubraum
Getriebe Sechsgang-CVT-Getriebe
Nennleistung 265 PS (195 kW)
Benzin-Motor 180 PS (132 kW) bei 5500 U/min
Elektromotor 91 PS (67 kW) bei 2100 – 3300 U/min
Kraftstoffart Benzin
Batterie 13,8 kWh
Kofferraum 809 – 2077 Liter
Höchstgeschwindigkeit 193 km/h
max. Drehmoment 350 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h 8,7 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP 1,6 l
Stromverbrauch 16,1 kWh
Testverbrauch 7,1 l
Testverbrauch Strom 19,7 kWh
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
36 g/km
Grundpreis 53.940 Euro
Preis des Testwagens 61.940 Euro

Fazit: Ein Sorento Plug-in-Hybrid ist nicht nur ausgesprochen schick, sondern bietet für diese Klasse auch reichlich Beigaben, wie man sie so im Detail nicht mal von den Premiumherstellern kennt. Hinzu kommen viel Platz, eine gute Verarbeitung und wirklich schöne Materialien. Was die rein elektrische Reichweite betrifft, ist es wie bei den meisten Plug-in-Hybriden deutlich weniger. Hinzu kommt der Umstand, dass so ein Akku natürlich öfter geladen werden muss. Wer die Möglichkeiten hat und das in sein tägliches Fahrprofil einbinden kann, ist mit dem Kia preislich gut bedient. Vor allem, wenn die Innovationsprämie von 3750 Euro vom Gesamtpreis abgezogen wird.

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